Haus Zeitz

Haus Zeitz – ein trauriges Beispiele für Denkmalpflege Haus Zeitz ist ein Ortsteil von Belleben im heutigen Salzlandkreis, zur Stadt Könnern gehörig, hat also nichts mit der gleichnamigen Stadt zu tun. 974 schenkte Otto II. dem Stift Quedlinburg u. a. den Ort Zizowi, der als Cziz, Czizt und Czietz auch in späteren Urkunden der Ottonen auftaucht.

Um das Jahr 1494 erwarben die mächtigen Herren von Trotha die Wasserburg und weitere umfangreiche Besitzungen in der Region. Als Zentrum des so entstandenen beachtlichen Wirtschaftskomplexes wählten sie Haus Zeitz. Es wurden neue Wirtschaftsgebäude errichtet, und im Zeitraum 1537 bis 1540 wurde die Burg zum repräsentativen Schloss umgestaltet. Baltzer von Trotha zu Zeitz war offensichtlich sehr einflussreich, denn er wird auch als Amtmann von Querfurt, der Moritzburg und der Burg Giebichenstein genannt. 1561 verstarb Oswald von Trotha zu Zeitz, und damit erlosch diese Linie. Es kam zum Verkauf durch die Erben. 1565 wurde Haus Zeitz mit allen Ländereien an die Herren von Krosigk verkauft. Dieser Verkauf wurde von einigen Brüdern derer von Trotha angefochten, und es kam zu einem jahrelangen Rechtsstreit, der hier nicht näher erläutert werden soll. Ein Adolph von Krosigk baute das Schloss weiter aus und legte 1570 den Schlossgarten an. Dessen Enkel Heinrich von Krosigk d. J. führte ein sehr verschwenderisches Leben, was dazu führte, dass er u. a. auch Haus Zeitz verkaufen musste. 1612 übernahm es Ludwig von Lochau, der u. a. Domherr in Brandenburg und Magdeburg war. Dessen Neffe Ludwig d. J. von Lochau erbte das Anwesen und nannte sich später auch „zu Zeitz“. Er baute in den Jahren 1620 bis 1625 Haus Zeitz weiter aus, errichtet u. a. den Turm und eine Familiengruft. Auch er war Domherr in Magdeburg und dort Kellermeister, vielleicht sind die umfangreichen, auch heute noch erhaltenen Keller der Anlage auf seine Anregung hin entstanden? Das Haus blieb bis 1684 im Besitz der Lochauer. Die verschiedenen Erbfolgen und Streitigkeiten innerhalb der Familie sollen hier nicht näher erwähnt werden. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Region stark in Mitleidenschaft gezogen. Das Schloss stand längere Zeit leer. Komplizierte Erbfolgen und die politischen Umstrukturierungen nach dem Westfälischen Frieden führten dazu, dass im Jahr 1684 Fürst Johann Georg II. von Anhalt nach schwierigen Verhandlungen Haus Zeitz kaufte. Damit begann eine neue Blütezeit für das Schloss. Der Fürst gestaltete es zu einer fürstlichen Residenz um. Es wurde eine weitere Etage aufgesetzt und die vorhandenen Giebel barock umgestaltet. Der große Saal wurde mit Stuckarbeiten verschönert, und die Begräbnisstätte wurde zur fürstlichen Gruft. In den folgenden Jahrzehnten kam es immer wieder zu Besitzwechseln. Die Linien Anhalt-Bernburg-Schaumburg (1707–1812), Anhalt-Bernburg (1812–1867) und zuletzt Anhalt-Dessau (1867–1945) werden als Eigentümer genannt, die für die Bewirtschaftung in der Regel Pächter eingesetzt haben. In dieser Zeit fanden keine Baumaßnahmen statt, die das Gesamtbild verändert hätten. Erwähnenswert ist Joachim Ernst von Anhalt-Dessau, der im Jahr 1922 umfangreiche Sanierungsmaßnahmen durchführen ließ. Repräsentative Zwecke erfüllte das Schloss nicht mehr. In einem Flügel wurden Saisonarbeiter aus dem Osten untergebracht, während des zweiten Weltkrieges auch Zwangsarbeiter, so eine Familie aus Litauen, eine Frau mit fünf Kindern, deren Enkel heute noch in Haus Zeitz in einem der Neubauernhäusern wohnen.

In der Literatur ist überliefert, dass es durch die Amerikaner 1945 zu Plünderungen des Inventars gekommen ist. Wenn überhaupt, waren diese wohl nicht allzu intensiv, denn die von mir befragten Zeitzeugen können sich daran nicht erinnern. Anders sah es aus, als dann später die Russen kamen. Im Schloss befanden sich viele Gegenstände, die im Krieg von Dessau hierher verlagert wurden, u. a. sehr viel Geschirr, welches von den russischen Soldaten zerschlagen wurde. Mit der Bodenreform erhielten die neuen Bewohner des Schlosses und zahlreiche ehemalige Beschäftigte des Gutes Land zugeteilt. Die Freude über den neu erhaltenen Besitz währte allerdings nicht lange, denn schon 1952 wurde auf Drängen eines besonders „fortschrittlichen“ Genossen die LPG „Neues Deutschland“ Haus Zeitz gegründet, als zweite LPG der DDR überhaupt, nach Merxleben bei Bad Langensalza.

Man bedenke: Das stolze Anwesen überdauerte fast 1.000 Jahre deutscher Geschichte. Mittelalterliche Fehden, der Bauernkrieg, der Dreißigjährige Krieg, der Siebenjährige Krieg, die napoleonischen Kriege und zuletzt der zweite Weltkrieg – das alles hat Haus Zeitz mehr oder weniger gut überstanden. Und dann wurde es innerhalb weniger Jahre zur Ruine, wobei dieser Begriff die Situation sehr wohlwollend beschreibt, denn eigentlich ist es nur noch eine Ansammlung weniger Mauern, die in einem Dickicht verborgen ist. Das Geschichtsverständnis der SED, zumindest in den Anfangsjahren der DDR, bezog sich fast ausschließlich auf die Geschichte der Arbeiter- und Bauernklasse. Relikte des Feudalismus und Kapitalismus hatten da wenig Platz. Wie so oft in der Geschichte spielt das Handeln einzelner Personen eine Rolle. Der Vorsitzende der LPG zeigte keinerlei Interesse, das schöne Anwesen zu erhalten, ganz im Gegenteil. Am Schloss wurden keinerlei Erhaltungsmaßnahmen durchgeführt, was dazu führte, dass die hier untergebrachten Flüchtlinge und Vertriebenen Anfang der fünfziger Jahre aufgrund der Bauschäden ausziehen mussten. An anderer Stelle wurde eine Neubauernsiedlung errichtet. Nur eine Familie wohnte noch bis Anfang der siebziger Jahre im Ostflügel des Schlosses. Einen besonderen Akt der Barbarei dachte sich der LPG-Vorsitzende aus. 1952 ließ er die Fürstengruft öffnen, plündert in einem auch zur damaligen Zeit strafbaren Akt der Leichenfledderei die mumifizierten Toten und ließ sie im Boden der Gruft verscharren. Aus den Särgen wollte er Futtertröge anfertigen, wozu es aber nicht kam. Man muss an dieser Stelle vermerken, dass keineswegs alle Verantwortlichen der Genossenschaften oder Volksgüter einen derartigen Umgang mit dem historischen Erbe pflegten. In den meisten Fällen wurden, auch aus wirtschaftlichen Zwängen, Erhaltungsmaßnahmen durchgeführt. Dass dabei nicht immer (oder besser selten?) denkmalpflegerische Aspekte beachtet wurden, ist keine reine DDR-Eigenheit. Im Laufe der Jahre wurden vom Schloss Fenster, Holzbalken, Dachziegel und andere verwertbare Teil geplündert. Die Wendeltreppe des Turmes wurde zerschlagen. Ein großer Teil der anderen Gebäude, so auch das sog. Kavaliershaus, wurden abgerissen, ebenso wie das letzte Opfer vor 1990, der rechte Turm (Rondell) des Torbaues, der 1989 verschwand. Leider geht die Verfallsgeschichte auch noch nach 1990 weiter. Das eigentliche Schloss und die spärlichen Reste der Nebengebäude sind nun nicht mehr zu retten. Mitte der 1990er Jahre wurden die Dachbalken demontiert. Im Dorf hält sich hartnäckig die Meinung, dass sie in Schloss Plötzkau verbaut wurden, was allerdings Legende ist. Wohin die Balken verbracht wurden, ist nicht mehr zu ermitteln. Leider wurden auch erhaltungswürdige Teile wie der schöne Torbogen nach 2006 abgerissen. Sie waren durch die neuen, größeren Maschinen beschädigt worden, und für die Sanierung wollte man kein Geld ausgeben. Somit bleibt von der großen Anlage, abgesehen von den verstreuten Mauerresten, nur noch einer der Tortürme – wie lange noch?

Die Eingangsrondelle 1983 und heute

Der Wendelturm

Verschiedene Portale

Im Nordflügel

Noch am besten erhalten: die Kellerräume

Die Nordseite Die letzten Reste der Toranlage

Reste der Stallanlage (von unten und oben)