Warmsdorf

Im kleinen Ort Warmsdorf, unweit der neuen A36, finden wir die Reste einer Wasserburg, die später zum Schloss und dann zur Domäne umgestaltet wurde. Das große, teilweise noch vom Wasser umgebene Areal, ist weitgehend verlassen, bis auf zwei Wohnhäuser am Rande der ehemaligen Burg.

Warmsdorf ist ein geschichtsträchtiger Ort. 1257 erstmals erwähnt entwickelte sich die mächtige Wasserburg Anfang des 16. Jahrhundert zu einer Domäne. 1552 begann die Blütezeit, Teile der Burg wurden unter Einbeziehung gotischer Teile zum Schloss umgebaut, was noch heute an den Gewölbekellern und einigen Rundbögen zu erkennen ist.

Fürst Georg III. richtete hier seinen Regierungssitz ein. „Er war neben Luther und Melanchthon einer der wichtigsten Reformatoren in Anhalt. Mit beiden stand er eng in Verbindung und beriet sich mit ihnen über Wege zur Einführung der Reformation. Fürst Georg war der einzige fürstliche Reformator. Neben Luther und Melanchthon gehörte er maßgeblich zu den geistigen Wegbereitern der Reformation“ (Homepage des Förderveiens). Luther stufte ihn wie folgt ein: "Fürst Georg ist frömmer denn ich, wo der nicht in den Himmel kommt, werd ich wohl heraus bleiben."

Die Domäne entwickelte sich zu einem leistungsstarken Landwirtschaftsbetrieb mit vielen Stallungen, Scheunen und einer Mühle, die noch bis Mitte der 70er Jahre als Privatunternehmen Mehl produzierte. Das Schloss wurde in den oberen Etagen als Wohnung genutzt. Bis etwa 1954 befand sich dort auch eine Schnapsbrennerei als Relikt der Domäne. Diese hatte aus Kartoffeln Schnaps gebrannt. Die Reste dieses Brennvorgangs, die sog. Schlämpe wurde an die Kühe verfüttert. Der große Schornstein, der ohne Rücksichtnahme auf denkmalpflegerische Belange, den Blick auf die Schlossruine beeinträchtigt, zeugt davon.

1960 wurden der Bergfried und die Toranlage abgerissen. Sie waren stark sanierungsbedürftig und dafür wollte die LPG kein Geld ausgeben. Das war aber noch nicht das Ende der Bau- oder besser Verfallsgeschichte von Schloss Warmsdorf. Als Die LPG 1990 aufgelöst wurde, blieben, abgesehen von einigen Wohnungen, die Gebäude ungenutzt. Aber auch die Mieter, die alle in der LPG gearbeitet hatten, verließen den geschichtsträchtigen Ort. Der Verfall begann und schritt rasant fort.

Ein Förderverein hatte versucht, zumindest das Schloss zu sanieren und mit einem Dach zu versehen. Die Bemühungen scheiterten an den zu harten Auflagen der Denkmalpflege, womit das endgültige Aus eingeleitet wurde. Heute sind die noch vorhandenen baufälligen Gebäude verschlossen und gesichert, also nicht begehbar! Ich hatte das große Glück, im Rahmen einer Exkursion der Deutschen Burgenvereinigung noch Schloss und Kuhstall von Innenfotografieren zu können.

Schloss und Remise (links)

Kellergewölbe

Ehem. Festsaal im Obergeschoss

Remise

Infrarotaufnahme

Schloss, früher noch zugänglich

jetzt verschlossen Der 1960 abgerissene Bergfried (Quelle: Landesamt f. Denkmalpflege Halle)