Totentanz

Der mittelalterliche Friedhof - Erotik nach dem Tod

Als spätestens im frühen Mittelalter das Christentum zur Staatsreligion wurde, hatte das großen Einfluss auf fast alle Lebensbereiche, so auch auf die Begräbniskultur. Die Friedhöfe waren umfriedete Bereiche, die zu dieser Zeit um eine Kirche angelegt wurden, denn man wollte in unmittelbarer Nähe von Reliquien oder zumindest eines heiligen Ortes bestattet werden. Das war nach den Vorstellungen der Menschen des Mittelalters von großer Bedeutung für das Seelenheil, denn die Strahlkraft der Reliquien wirkte auch nach dem Tode.

Die Reliquien wirkten nur über eine bestimmte Distanz, deshalb konnte der Kirchhof nicht unbegrenzt erweitert werden, was zu Platzmangel führte. Man musste die Gräber nach kürzerer Zeit neu belegen. Deshalb wurden die nicht verwesten Gebeine ausgegraben und an anderer Stelle aufgeschichtet. In vielen Orten wurden die Knochen, meist Schädel und Oberschenkel, in einem Beinhaus, dem sog. Karner, aufbewahrt. Nicht selten wurden sie dort mehr oder weniger kunstvoll, auf alle Fälle pietätvoll, gestapelt. Vor allem in Süddeutschland und im Alpenraum sind heute noch Karner zu sehen, z. T. mit aufgeschichteten den Gebeinen.

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Ab dem Spätmittelalter wurde das Zusammentreffen von Lebenden und Toten als Totentanz dargestellt. Die Macht des Todes über das Leben wird hier in einer besonderen Form gezeigt. Der Tod tanzt, und zwar mit jedem! Diese Darstellungen fanden sich zunächst als Wandgemälde an Kirchen oder Friedhöfen, 1424 zuerst in Paris. Später, vor allem mit der Entwicklung des Buchdrucks, wurden die Motive als Stiche oder Holzschnitte verbreitet. Holbein schuf z.B. im Jahr 1515 insgesamt 53 Holzschnitte zu diesem Thema. Dort sehen wir den Papst, Bischöfe, Könige, Kaufleute und Bauern, mit denen der Knochenmann tanzt. In Metnitz in Kärnten gibt es ein Totentanzmuseum. Am dortigen Beinhaus wurden die ursprünglichen Fresken des Totentanzes kopiert. Die restaurierten Originale befinden sich im Museum, wo eine Ausstellung „Das Mädchen und der Tod“ des Malers Egen Guggenbichler zu sehen ist. Die Bilder zeigen auch die erotische Komponente dieser besonderen Form des Tanzes.

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